Die Soziokratie 3.0 (kurz S3) bietet eine modulare, flexible und freie Alternative zu Holacracy. Die Geschichte von S3 geht zurück auf die Ideen von August Comte 1851. Kees Boeke hat 1926 ein Konzept daraus erstellt (Soziokratie 1.0), welches 1970 erstmals durch Gerard Endenburg in Holland Anwendung fand (Soziokratie 2.0). Das Gedankengut der ursprünglichen Soziokratie fand ausserhalb Holland wenig bis gar keine Beachtung bis Brian Robertson 2008 Holacracy daraus herleitete. Bernhard Bockelbrink und James Priest haben die Ideen 2015 nochmals erweitert und mit agilen und lean Methoden ergänzt. Daraus ist nun das flexible und modulare Konzept von S3 entstanden, welches als Open Source offen und kostenlos zugänglich ist. 

Soziokratie 3.0 ist dadurch modular indem es ganz viele Muster anbietet, die einzeln oder in Kombination verwendet werden können. Dadurch ist eine Einführung viel weniger radikal als bei Holacracy und erlaubt eine evolutionäre Entwicklung. Ein Muster ist eine Vorgehensweise, um einer bestimmten Herausforderung erfolgreich zu begegnen. Die Muster in S3 werden durch die Beobachtung vieler Organisationen bei der Lösung ihrer Probleme und dem Umgang mit ihren Herausforderungen entdeckt. Die Muster können an den jeweiligen Kontext angepasst und dann weiterentwickelt werden. Alle Muster basieren auf den sieben Prinzipien:

  • Effektivität: Investiere Zeit nur für das, was Dich dem Erreichen Deiner Ziele näher bringt.
  • Konsent: Handle nur, wenn keiner der Betroffenen einen Einwand hat.
  • Empirismus: Überprüfe alle Annahmen durch Experimente, achte auf kontinuierliche Revision und Falsifizierbarkeit.
  • Kontinuierliche Verbesserung: Bevorzuge inkrementelle Veränderung, um stetiges empirisches Lernen zu ermöglichen.
  • Gleichstellung: Beziehe Menschen in die sie betreffenden Entscheidungen und deren Entwicklung ein.
  • Transparenz: Mache alle Informationen für jeden in der Organisation zugänglich, es sei denn, es gibt einen wichtigen Grund für Vertraulichkeit.
  • Verantwortlichkeit: Handle, wenn es erforderlich ist; befolge, was Du vereinbart hast und behalte die gesamte Organisation im Blick.

Die Organisation wird in Domänen abgebildet, die untereinander verknüpft werden. Eine Domäne ist ein eigener Arbeits-, Einfluss- und Entscheidungsbereich innerhalb einer Organisation. Alle Domänen befinden sich innerhalb der Domäne der Organisation, und können sich mit anderen Domänen überschneiden, oder auch vollständig in ihnen enthalten sein. Domänen werden an Mitarbeitende delegiert (z.B. an eine Geschäftseinheit, eine Abteilung, ein Team oder eine Einzelperson), die dann – innerhalb der Grenzen des Autonomie- und Einflussbereiches dieser Domäne – die Verantwortung dafür übernehmen.

Ein wichtiges Konzept in Zusammenhand mit den Domänen sind die Treiber. Ein Treiber beschreibt die Motivation eigene Energie in der Domäne einzusetzen, um die Arbeit zu erledigen (operatives Geschäft) oder Entscheidungen zu treffen (sogenannte Governance). Damit eine Organisation dazulernen kann und sich kontinuierlich verbessert, sollten alle wesentlichen Entscheidungen dokumentiert, geprüft und weiterentwickelt werden. S3 bietet die entsprechenden Hilfestellungen um gute und effiziente Entscheidungen zu treffen und auch um diese zu dokumentieren und gegebenenfalls weiterzuentwickeln.

Mein Beitrag zur Verbreitung von S3 ist unter anderem eine deutsche Übersetzung der Plakate von S3. Zwei Beispiele sind oben eingefügt. Die ganze Sammlung kann hier als Archiv mit sämtlichen PDF Dateien bezogen werden: 180513-S3_intro-flipcharts-DE-PDF-V0.4.zip